Wohltuende Massage für weihnachtlich gestresste Seelen
Trutzburg der Besinnung: Die Schaumburger Märchensänger beim Weihnachtskonzert in der StadtkircheVon Dietlind Beinssen
Bückeburg. Die Stadtkirche bildete am Mittwochabend eine Trutzburg der Besinnung. Ganz nah standen Weihnachtsmarktbuden, und manchmal, in leisen Passagen, hörte man Stimmen und Geräusche, ja sogar ein Polizeiauto. Draußen war die Welt, drinnen aber sangen die „Schaumburger Märchensänger“ erstmals unter Leitung von Sascha Davidovic ihr Christfest-Programm. In dem dicht besetzten Gotteshaus legten sich viele Mädchen- und sechs Männerstimmen zu wohltönender Innerlichkeit übereinander.
Das begann mit Mendelssohn Bartholdys „Hark! The Herald Angels Sing“, wo die Verse in klar artikulierter Reinheit den Raum erfüllten, und setzte sich in „Macht hoch die Tür“ sowie dem bewegten „Cantate Domino“ fort. Für sentimentale Süßlichkeit blieb da kein Platz – aber doch für sensibles Sentiment. Crügers „Cantate Domine“, Kodalys „Adventi enek“ oder „Es ist ein Ros’ entsprungen“ gaben dem emsigen Ensemble ebenfalls Gelegenheit, seine Stärken auszuspielen: Kunstfertigkeit und jugendliche Überzeugungskraft.
Wobei der neue Chorchef geschickt darauf achtete, dass der Ausdruck nicht zu kurz kam. Auch bei Händels „Joy to the World“, dem innigen „O Jesulein zart“ und Arbeaus freudig erregtem „Ding, Dong! Merrily on High“ machte sich die Vortragsweise gut.
Sicher und engagiert lenkte Davidovic später eine kleine Sängergarde durch das wirkungsvolle „Mariae Wiegenlied“ von Reger. Das nötige Know How konnte der Dirigent seinem – von Vorgänger Volker Arendts bestens geschult übergebenen – Team dann bei Adams ausdrucksvollem „Cantique de Noel“ ebenso gut vermitteln wie die plastische Gestaltung des „Tollite Hostias“ aus der Feder Saint-Saëns. Am Ende des mit Gespür zusammengestellten Programms zollten die „Schaumburger Märchensänger“ traditionellen heimischen und ausländischen Weihnachtsliedern Tribut. Da wurden „Stille Nacht“ und Schwestern nicht zu einer Angelegenheit kitschbeladenen Ertrages, sondern zum Erleben ungekünstelter melodischer Ausdruckskraft.
Erwähnt werden muss noch Kantor Siebelt Meier, der die Truppe kompetent am Klavier oder an der Orgel begleitete. Außerdem ließen Meiers eingeschobene Präsentationen von Bachs rasantem „Praeludium G-Dur“ sowie dessen „Pastorale F-Dur“ aufhorchen. Hinzu kommt, dass die Akkordeonisten Mateja Zenzerovic und Miroslav Grahovac schön differenziert Stücke von Bach und Mozart einbrachten. Kein Wunder, dass diese abgerundete, festlich-freudige Musikauslese in Ovationen im Stehen mündete.
© Schaumburg-Lippische Landeszeitung vom 18.12.2009
Foto: wk
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